Die Hit-Liste – Eine Methode die Lieblings- und Hassportarten deiner Schüler:innen im Sportunterricht zu erfahren

„Was machen wir heute?” – diese Frage kennt vermutlich jede Sportlehrkraft. Hinter ihr stecken Vorlieben und Abneigungen, die den Sportunterricht stärker prägen, als uns oft bewusst ist. Die persönliche Hit-Liste ist ein einfaches Verfahren, mit dem du die sportunterrichtlichen Neigungen und Abneigungen deiner Lerngruppe sichtbar und besprechbar machst.

Warum Vorlieben und Abneigungen den Sportunterricht prägen

Eine wesentliche Bildungsaufgabe des Sportunterrichts besteht darin, das Interesse der Lernenden an Bewegung, Sport und Spiel zu wecken, zu erhalten und zu erweitern. Interesse gilt als wirksamer motivationaler Faktor für Aufmerksamkeit, Akzeptanz, Anstrengungsbereitschaft und Ausdauer bei der freiwilligen Auseinandersetzung mit sportlichen Tätigkeiten und Themen. Wer interessenorientiert lernt, ist intrinsisch motiviert und bleibt auch dann am Lerngegenstand, wenn die Rahmenbedingungen stören oder hemmen.

Dieses Idealbild interessenmotiviert Lernender ist im Alltag sicherlich eine Utopie – es erscheint abwegig, sich eine ganze Sportgruppe durchgehend als interessiert Lernende vorzustellen. Für eine gezielte Interessenförderung ist es jedoch hilfreich, die vorhandenen Interessen und die vorliegenden Abneigungen der Klasse zu kennen. Genau dabei hilft ein praxiserprobtes Verfahren: die Hit-Liste (Rheinberg, 2002).

Mit ihren Fragen, Wünschen und Vorschlägen hoffen die Kids, Einfluss auf die inhaltliche Gestaltung des Unterrichts zu nehmen, indem sie Alternativen ins Spiel bringen. Das gilt besonders dann, wenn ihnen der genannte Inhalt nicht zusagt: „Nein, bitte nicht noch mal Seilspringen, können wir nicht was anderes machen?” Dieses bekannte Ritual kann für Lehrkräfte belastend sein, denn sie wissen aus Erfahrung, dass sie mit ihrer Antwort immer auch Erwartungen enttäuschen. Aus enttäuschten Erwartungen können negative Folgen für die Lernmotivation entstehen, wenn nicht gemochte Inhalte negative emotionale Zustände auslösen.

In der Regel lernen wir leichter und lieber, wenn wir dem Lerngegenstand zugeneigt sind. Wir tun uns schwerer, wenn wir ihn ablehnen. Eine solche gegenstandsspezifische Zuneigung oder Abneigung beeinflusst auch im Sportunterricht die Lernaktivitäten und führt zu einem eher annähernden oder einem eher meidenden Verhalten. Die Hit-Liste hilft dir, dir ein genaueres Bild von den Neigungen und Abneigungen deiner Lerngruppe zu machen.

Was ist eine Hit-Liste?

Die Hit-Liste stammt ursprünglich aus der Leistungsmotivationsforschung und wurde von Falko Rheinberg (u. a. 2004) entwickelt, um lern- und leistungsmotivational bedeutsame Anreize von Tätigkeiten zu erfassen. Neben den gut beforschten Folgenanreizen von Handlungen wurden in der Motivationsforschung sogenannte Vollzugsanreize lange Zeit vernachlässigt (Engeser & Vollmeyer, 2005, S. 1). Vollzugsanreize kennzeichnen die tätigkeitsspezifische Motivation, deren Handlungsveranlassung eher „simpel” ist: Die Tätigkeit wird ausgeführt, weil sie Spaß macht oder verheißt (Rheinberg, 2005).

Keine Playlist, sondern ein Diagnose-Werkzeug

Die Hit-Liste ist keine Playlist, sondern ein einfaches Paper-Pencil-Verfahren zur Erfassung persönlicher Neigungen und Aversionen.

Eine Hit-Liste besteht aus einer vertikalen Anordnung von zum Beispiel neun Kästchen. Das oberste Kästchen beinhaltet die absolute Lieblingstätigkeit mit der größten Attraktivität, während das unterste Kästchen für die unattraktivste und unbeliebteste Tätigkeit vorgesehen ist – die, welche die Lernenden am liebsten vermeiden würden. In der Mitte der Skala steht ein Kästchen für eine aus ihrer Sicht neutrale Tätigkeit, die sie weder als besonders attraktiv noch als aversiv erleben. So legen die Lernenden die Attraktivität und Unattraktivität ausgewählter sportlicher Tätigkeiten für sich selbst fest.

Im Gesamtbild ergeben sich daraus vier Tätigkeiten mit unterschiedlichem Attraktivitätsgrad oberhalb der neutralen Zone sowie vier weitere Tätigkeiten mit unterschiedlichen Aversionsgraden darunter. Je nach Intention und Alter besteht eine solche Liste aus fünf, sieben oder neun Platzhaltern. Die neutrale Aktivität bildet immer die Mitte, sodass es gleich viele positiv wie negativ beurteilte Aktivitäten gibt. Zusätzlich kann die Hit-Liste eine Auswahl möglicher Sportarten zur inhaltlichen Orientierung enthalten.

Während Rheinberg (2004) den Befragten bei der Auswahl möglicher Tätigkeiten freie Hand ließ – er wollte Attraktivitätsunterschiede zwischen Tätigkeiten in der Schule, in der Freizeit oder im Haushalt erfassen –, grenzen wir das Feld mit Blick auf den Sportunterricht deutlich ein und fokussieren sportlich-spielerische Aktivitäten.

Wozu dient die Hit-Liste?

Die Hit-Liste ist ein einfaches Verfahren, um die aktuellen motivationalen Orientierungen der Lerngruppe mit Blick auf inhaltliche Präferenzen und Aversionen zu erfassen. Es geht um tätigkeitsspezifische Anreize oder Abneigungen, die mit ihrer Hilfe sichtbar und verhandelbar gemacht werden. Solche Anreize zu kennen, ist aus Sicht der Lehrkraft hilfreich, um Verhaltensweisen im Sportunterricht besser zu verstehen und zu erklären. Denn Anreize oder Abneigungen bestimmen oft die Art und Weise, wie sich die Einzelnen mit dem jeweiligen Gegenstand auseinandersetzen.

Wie kannst du mit der Hit-Liste im Sportunterricht arbeiten?

Die Erfassung und Thematisierung fachlicher Attraktivität oder Abneigung kann helfen, gezielt mit der Klasse ins Gespräch zu kommen. Ausgangspunkt kann das individuelle Fachinteresse, das Interesse an einer Sportart oder das Interesse an einem konkreten unterrichtlichen Gegenstand sein. So lässt sich über ein wünschenswertes Unterrichtsklima verständigen oder ein unterrichtliches „Arbeitsbündnis” (Hilbert Meyer) schließen. Die folgenden drei Beispiele beziehen sich auf verschiedene Intentionen und nutzen unterschiedliche Versionen der Hit-Liste.

Beispiel 1: Das Fachinteresse erfassen

Eine Lehrkraft hat eine Klasse 8 zum Schuljahr neu übernommen und möchte die Lernenden möglichst früh hinsichtlich ihres Fachinteresses kennenlernen. Mit Hilfe einer Hit-Liste verschafft sie sich einen Einblick in die sportunterrichtsbezogene Motivation.

Beispiel 2: Eine persönliche Rangliste der Schulsportarten erstellen

Eine Sportlehrkraft will die inhaltlichen Vorlieben und Abneigungen der Klasse erfassen, um Präferenzen bei der Erstellung eines Stoffverteilungsplans berücksichtigen zu können. Ein solches Vorgehen ist dank der kompetenzorientierten Lehr- und Bildungspläne gut möglich, denn diese bieten dem Sportunterricht große Freiräume für die inhaltliche Ausgestaltung.

Beispiel 3: Die Attraktivität einer Sportart bestimmen

Eine Lehrkraft beabsichtigt, eine Unterrichtsreihe zum Ultimate Frisbee anzubieten. Dabei soll es um technisch-taktische Handlungsanforderungen gehen, aber auch um den selbstständigen Umgang mit den Spielregeln und möglichen Regelüberschreitungen. Weil sie sich hinsichtlich der vorhandenen Vorerfahrungen unsicher ist, bittet sie die Klasse, eine entsprechende Hit-Liste zu bearbeiten.

Diskussion und Ausblick

Sportunterricht soll und kann kein „Wunschkonzert” sein, bei dem sich die Lernenden beständig etwas wünschen können. Denn er kann nicht alle inhaltlichen Wünsche erfüllen und nicht allen Vorlieben gerecht werden. Die Wünsche der Klasse dauerhaft zu ignorieren, ist aber ebenso wenig sinnvoll. Ziel sollte vielmehr sein, inhaltliche Entscheidungen altersangemessen mit den Lernenden abzustimmen (Wibowo & Balz, 2021).

Für einen solchen Abstimmungs- und Verständigungsprozess ist es wichtig, die inhaltlichen Neigungen und Abneigungen sichtbar und verhandelbar zu machen. Wird beständig an den Interessen der Klasse vorbei unterrichtet, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass einzelne Lernende mit innerem Rückzug (Passivität aufgrund von Desinteresse) oder mit Ausstieg (Absentismus aufgrund von Abneigung) reagieren. Gerade bei meidendem Verhalten besteht eine Art „Ansteckungsgefahr”, weil sich andere diesem Verhalten anschließen können.

Die Hit-Liste bietet die Möglichkeit, solche eher versteckt wirkenden Mechanismen offenzulegen und anzusprechen, um einen Konsens oder zumindest einen Kompromiss bei der inhaltlichen Ausgestaltung zu finden. Dabei können bestimmte Lerninhalte verpflichtend sein, während andere im Sinne von Wahlpflicht- oder Wahlangeboten mitbestimmt werden (König & König, 2003). Beispielsweise stimmt die Klasse ab, mit welchem Rückschlagspiel sie ihre spieltaktischen Fähigkeiten vertiefen will: Tischtennis, Badminton oder Pickleball?

Literatur

Engeser, S. & Vollmeyer, R. (2005). Tätigkeitsanreize und Flow-Erleben. In R. Vollmeyer & J. C. Brunstein (Hrsg.), Motivationspsychologie und ihre Anwendungen (S. 59–71). Stuttgart: Kohlhammer.
König, S. & König, St. (2003). Schülerwahl und Neigungsgruppen im Sportunterricht der Hauptschule – Das Modell „SahNe” für die Klassen 9 und 10. sportunterricht, 52 (9), 265–272.
Rheinberg, F. (2005). Motivationsprobleme. Sieben Stufen der Diagnose. Schulmagazin 5 bis 10, 9, 10–12.
Rheinberg, F. (2004). Motivationsdiagnostik. Hogrefe.
Wibowo, J. & Balz, E. (2021). Inhalte im Sportunterricht. https://wimasu.de/inhalte-im-sportunterricht/

Der Autor

Peter Neumann ist Professor für Sportpädagogik. Er hat zahlreiche praxisbezogene Beiträge – unter anderem zu Frisbee, Klettern, Roller und Trendsport – sowie didaktische Texte zum mehrperspektivischen Sportunterricht veröffentlicht. Persönlich wie beruflich faszinieren ihn wagnisbezogene Outdoor-Sportarten.

Impressum

Dieses Dokument korrekt zitieren:

Neumann, P. (2026). Zwischen Lieblingssport und Hasssport – mit der persönlichen Hit-Liste Neigungen und Abneigungen der Schülerinnen und Schüler im Sportunterricht erfragen. Zugriff am 29.06.2026 unter https://wimasu.de/die-hit-liste-eine-methode-fuer-den-sportunterricht/

Illustrationen/Grafiken: Larissa Damjanovic

Satz/Layout: Larissa Damjanovic

Herausgeber: Janes Veit & Christoph Walther

Lektorat und Mitarbeit: Timo Weber

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