Time to Play – Ein offener Unterrichtseinstieg für die Grundschule

Ein offener, bewegungsintensiver und selbstgesteuerter Unterrichtseinstieg in deine Sportstunden, der nicht langweilig wird

von Dominik Genkinger und Christoph Walther

Nicht wenige moderne Sportlehrkräfte in der Grundschule oder Sekundarstufe 1 nutzen einen offenen Anfang, um den Kindern bereits bei Betreten der Halle motivierende Bewegungszeit zu geben. Denn ein Kriterium für guten Sportunterricht kann ein hoher Anteil von Zeit „in Bewegung“ sein (vgl. „Time on Task“ bei Lipowsky, 2015).

Bewegungszeit ist nicht Bewegungslernzeit

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In einer Untersuchung von Hoffmann (2009) wird das Verhältnis von Unterrichtszeit zu Bewegungszeit deutlich. Bei der Betrachtung einer Doppelstunde liegt die mögliche Bewegungszeit bei ca. 50 Minuten (56%), die tatsächliche Bewegungszeit eines sportschwachen Schülers bei ca. 13 Minuten (14%), die eines durchschnittlichen Schülers bei ca. 16 Minuten (18%).

Bei der Vorbereitung von Unterricht sollte daher mindestens darauf geachtet werden, dass möglichst viel Bewegungszeit eingeplant ist. Bei der Planung, Durchführung und Auswertung von Sportunterricht kann zudem eine Unterscheidung zwischen Bewegungszeit und Bewegungslernzeit stattfinden.
Der offene Unterrichtsanfang im Sinne von „Time to play“ greift diesen Ansatz auf und vereint das Lernpotenzial von kleinen Spielen (z.B. Einfache Regeln, wandelbare Regeln, geringe Bedeutung eines Schiedsrichters, keine langen Vorbereitungszeiten, bzw. Teamwahlen; vgl. Lange & Sinning, 2009) mit einem hohen Maß an Bewegungszeit. Der offene Anfang kann damit als Bewegungslernzeit betrachtet werden (vgl. Neumann & Hafner, 2012).

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Wie funktioniert „Time to play“?

Das Prinzip kann den Schülerinnen und Schülern anhand von vier Phasen erklärt werden (vgl. folgende Abb.).

1. Umziehen und Vorbereiten auf den Unterricht

Im Vorfeld müssen mit den Kindern die wichtigsten organisatorischen Regeln besprochen und eingeübt werden, damit die Sicherheit im Schulsport gewährleistet werden kann. Dazu gehören das Umziehen und Vorbereitungen z. B.

  • Sind meine Sportschuhe fest zugeschnürt?
  • Habe ich meine Wertsachen in die Kiste abgelegt?
  • Habe ich meine Haare zusammengebunden?

2. Das Spielesymbolplakat

Zusammen mit den Schülerinnen und Schüler wird ein Plakat eingeführt, das verschiedene Bildsymbole beinhaltet, die für einzelne Spiele stehen.  Diese Spiele werden sukzessive eingeführt bzw. gemeinsam erarbeitet, sodass die Schülerinnen und Schüler schon nach kurzer Zeit in der Lage sind, die Spiele selbstständig auszusuchen, in Gang zu setzen, das Spiel trotz zunehmender Schülerzahl aufrecht zu erhalten und selbstständig und eigenständig spielen zu können. Die Spiele sind so ausgewählt, dass kein Kind eine längere Pause im Spiel (z.B. durch Ausscheiden) bekommt und sofort wieder einsteigen kann. Besonders beliebte Spiele, die sich für den offenen Anfang anbieten sind daher z.B. Toaster, Kettenfangen, Spinnen-Ticken, U-Boot versenken, Lauf Hase-Sitz Hase, Zombiefußball.

time to play - Plakat in Aktion Time to Play - Ringbuch Time to Play - Toaster

In der Praxis hat sich bewährt, dass zu Beginn der Sportstunde das Plakat mit den Bildsymbolen aufgehängt wird und das Spiel mit einem Pfeil/Wäscheklammer/o. ä. markiert ist, das heute gespielt werden soll. So weiß jedes die Halle betretende Kind sofort, welches Spiel heute mit allen gemeinsam gespielt wird. Eine alternative Organisation der Spielauswahl ist, dass das erste Kind in der Sporthalle, das letzte Geburtstagskind, etc. das Spiel selbst aussuchen darf.

3. Die Spielphase „Time to play“

Während die anwesenden Kinder spielen können kranke Kinder oder „Turnbeutelvergesser“ als Schiedsrichter eingesetzt werden bzw. übernehmen diese Aufgabe von alleine. Die Lehrkraft hat in dieser offenen Phase des Unterrichts die Möglichkeit, einzelnen Kindern individuelle Tipps zu geben, zu unterstützen und hinsichtlich der Grob- und Feinmotorik zu beobachten. Außerdem können unauffällig organisatorische Zeitfresser (Anwesenheitskontrolle, Klassenbucheintragungen, etc.) ohne Bewegungszeitverlust erledigt werden. Nur selten sollte schiedsrichtend eingegriffen werden.

Ende des offenen Anfangs und Unterrichtsbeginn

Zu welchem Zeitpunkt die Lehrkraft den offenen Beginn beendet, kann situativ entschieden werden. Ist das Spiel in Gang und sind alle Kinder motiviert und in Bewegung, kann die weitere Planung der Sportstunde nach hinten verschoben werden. Stehen z.B. größere Geräteaufbauten an, kann die Phase sehr kurz gehalten werden. Wenn es zeitlich möglich ist, sollte zumindest in der Einführungsphase der ersten Stunden eine kurze Nachbesprechung des offenen Anfangs durchgeführt werden. Wichtig ist es, auftretende Probleme zu klären, denn oft sind die Regeln der gespielten Spiele noch nicht allen klar. Auch Regeländerungen können diskutiert und festgelegt werden. Ein Stimmungsbild über die Beliebtheit des ausgewählten Spiels ist nicht nur für die Lehrkraft interessant.

Fazit

Der offene Anfang im Stile von „Time to play“ ermöglicht den Kindern Selbstbestimmung bei der Spielauswahl und ermöglicht einen bewegungsintensiven Sportunterrichtbeginn. Allerdings erfordert der Anfang gemeinsames Handeln und fordert von den Kindern selbstständig kleine Spiele zu organisieren. Dafür ist Bewegungslernzeit und Arbeit von der Lehrkraft gefragt.

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Literaturverzeichnis:

Lange, H. & Sinning, S. (2009). Bewegungsspiele – Kleine Spiele. Spiele verstehen, systematisieren und erfinderisch spielen können. In: H. Lange & S. Sinning (Hrsg.), Handbuch Sportdidaktik (S. 340 – 358). Balingen: Spitta.

Neumann, P. & Hafner, S. 2012). Bewegungslernzeit anbieten. Sportpädagogik, 2, S. 2-7.

Lipowsky, F. (2015). Unterrichten. In E. Wild & J. Möller (Hrsg.), Pädagogische Psychologie (S. 77-97). Berlin, Heidelberg: Springer Berlin Heidelberg.

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