In der Halle gibt es keinen Sitzplan. Trotzdem will ich die Namen meiner neuen Klasse schnell lernen. Wer beim Namen genannt wird, fühlt sich gesehen, und die Ansprache im Getümmel wird viel leichter. Namensschilder helfen nur bedingt: Sie werden vertauscht, zum Witz gemacht oder liegen zu Hause. Also verlasse ich mich auf mein Gedächtnis. Was mir dabei hilft:
Vor der ersten Stunde: die Liste
Die Namen von der Klassenliste präge ich mir schon vorher ein, am besten auswendig. Dann weiß ich in der ersten Stunde ungefähr, wen ich vor mir habe. Das nimmt Druck raus.
Die Namensrunde
Im Sitzkreis sagt jedes Kind seinen Namen. Ich merke mir so viele wie möglich und wiederhole im Kopf ständig die, die schon dran waren. Ein Hobby, ein Spitzname oder ein Adjektiv mit demselben Anfangsbuchstaben verankert den Namen zusätzlich. Zum Schluss sage ich alle Namen aus dem Gedächtnis auf. Meistens klappt es. In der nächsten Woche brauche ich die Runde trotzdem oft noch einmal.
Spiele, bei denen die Namen nebenbei sitzen
Namensfangen. Alle bewegen sich durch die Halle. Je nach Gruppengröße sind drei bis sieben Kinder mit Parteibändern als Fänger unterwegs. Wer gefangen ist, setzt sich hin. Wer nicht mehr fangen möchte, gibt die Rolle weiter. Befreien darf nur ich: Ich laufe umher und erlöse die Sitzenden, indem ich ihren Namen rufe.
Namensball. Ein Ball wandert durch den Kreis, immer mit dem Namen der Person, die ihn bekommt. Alle merken sich, von wem der Ball kam und wohin er ging. Ziel: Der Ball fällt nicht, alle waren einmal dran, dann kehrt er zur Startperson zurück. Nach und nach kommen mehr Bälle dazu. Die Reihenfolge bleibt gleich, niemand wird ausgelassen, zwei Bälle nie gleichzeitig bei einer Person. Fortgeschrittene laufen dabei durcheinander. Klappt eine Regel nicht, beenden wir den Versuch und fangen neu an.
Speeddating. Gut, wenn sich die Klasse auch untereinander kaum kennt. Auf Kommando treffen sich immer zwei, begrüßen sich mit Namen und reden über ein Thema, oft mit einer kleinen Bewegungsaufgabe dazu:
- Armdrücken, Thema Lieblingsessen
- Rücken an Rücken lehnen, Thema Haustier
- Rücken an Rücken sitzen, Thema Erwartungen an den Sportunterricht
Am Ende eine kurze Plenumsrunde mit den Neuigkeiten über die anderen. Ich mache als Lehrkraft mit und lerne so die Namen.
Das Vorstellbild. Jedes Kind zeichnet sich auf ein A4-Blatt bei der Lieblingssportart. Dann erzählt es dem Kind daneben etwas zum Bild und den eigenen Namen. In der Plenumsrunde stellt jedes Kind sein Gegenüber anhand des Bildes vor.
Kontinuum: Meinung zeigen, Namen aufschnappen
Zwei Pole festlegen. In kleinen Räumen die gegenüberliegenden Wände, in der Halle zwei Hütchen, so weit auseinander, dass man sich noch versteht. Ein Pol steht für „viel, gut, groß, weit“, der andere für „wenig, schlecht, klein, nah“. Alle laufen durcheinander und positionieren sich auf Kommando passend zur Frage. Fragen zum Kennenlernen: Wie weit wohnst du von der Schule weg? Deine Schuhgröße? Wie lange dauert dein Schulweg? Wie oft treibst du in der Woche Sport? Wie groß ist die Lust auf Tanzen oder Fußball? Aufgabe ist, die Kinder daneben zu befragen und die eigene Position abzugleichen. Ich stelle mich dorthin, wo ich am liebsten nachfrage. Zwischen den Fragen gebe ich Laufaufgaben oder spiele Feuer-Wasser-Blitz.
Wenn ein Name einfach nicht sitzt
Manche Namen halten sich hartnäckig fern. Dann frage ich einfach immer wieder nach. Bei schwierigen Namen hilft oft die Frage, wie die Eltern das Kind rufen. Und wenn gar nichts mehr geht, schreibe ich mir die ganz schweren Namen auf die Hand (zum Beispiel Ngoc Anh). Den vergesse ich sicher nicht mehr.
Namen lernen ist Beziehungsarbeit
Am schnellsten sitzen die Namen, wenn ich einzelne Kids kurz zu mir hole. Zwei Gelegenheiten nutze ich dafür.
Wer verletzt am Rand sitzt, ist ohnehin da. Beim Aufwärmen mit Time to Play setze ich mich kurz daneben und gehe mit dem Kind die Namen der Klasse durch.
Sonst läuft die Anwesenheit bei mir nebenbei, während sich die Klasse aufwärmt. Dabei hole ich immer wieder einzelne Kids raus und sage: „Ich brauche deine Hilfe.“ Dann gehen wir zusammen die Namen durch.
Der Effekt ist größer, als es klingt. Die Kids werden echt gebraucht und spüren sofort, dass sie gesehen werden und wichtig sind.
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Sobald die Namen sitzen, wird die Beziehung zur Klasse spürbar leichter. Deshalb gebe ich mir in den ersten Wochen Mühe damit. Und ich bilde mir ein, dass es nebenbei das Gedächtnis trainiert.
Mehr zum Schuljahresstart
Weitere Ideen für die ersten Stunden mit einer neuen Klasse findest du in der Kategorie Neue Klasse.
Die Autoren
Janes Veit und Christoph Walther sind die Gründer von WIMASU. Zusammen haben sie schon die Namen von über 1000 Kindern gelernt – jede der Methoden hier haben sie dabei selbst gebraucht.
Impressum
Dieses Dokument korrekt zitieren:
Veit, J. & Walther, Ch. (2026). Namen lernen im Sportunterricht: schnelle Spiele und Tipps. Zugriff am 19.08.2026 unter https://wimasu.de/deine-neue-klasse-kennen-lernen-namen-lernen/
Herausgeber: Christoph Walther & Janes Veit
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