8 schöne Kennenlern- und Kooperationsspiele für den Sportunterricht

Die Beziehung zwischen Lehrkraft und Schüler:innen ist maßgeblich für die Motivation fachlich und überfachlich zu lernen. Das gilt für den Sportunterricht ebenso, wie in allen anderen schulischen Lernbereichen (vgl. Wibowo, 2016). Ein erster Beziehungsschritt ist unbestritten das Einander-Kennenlernen, ein zweiter das Miteinander-Kooperieren und dazu schlagen wir euch jeweils vier Spieleklassiker vor. Alle vorgestellten Spiele und weitere findet ihr im Teil 1 der Spielesammlung für den Sportunterricht von Hilke Teubert.

Ausgewählte Kennenlernspiele für den Sportunterricht

Schneeballschlacht

2 Spiele in einem: Schneeballschlacht spielen und anschließend den/die richtige Spieler:in finden und allen vorstellen.

Material: kleine Zettel (für jeden Spieler einen), ca. 5 Stifte, 2-3 Turnbänke

Sozialform: 2 Teams mit je 6-15 Spieler:innen

Phase 1: Das Spielfeld wird durch 2-3 Turnbänke geteilt. Jedes Team geht in eine Spielfeldhälfte. Nun bekommt jede:r Spieler:in einen Zettel und schreibt drei Aussagen über sich selbst auf, ohne dass die anderen diese lesen. Danach werden die Zettel zusammengeknüllt.

Phase 2: Nun beginnt die Schneeballschlacht: Jedes Team wirft seine Schneeball-Zettel ins gegnerische Spielfeld und muss zugleich dafür sorgen, dass im eigenen Spielfeld keine Schneeball-Zettel liegen. Die Zettel dürfen nicht zerrissen werden! Nach 2-3 Minuten stoppt die Spielleitung die Schneeballschlacht. Welches Team hat nach Spielstopp weniger Schneebälle bei sich liegen?

Phase 3: Nun hebt jede:r Spiele:in einen Zettel auf, und sucht den/die Verfasser:in des Zettels und tauscht sich kurz über die Angaben aus. Anschließend stellen die Spieleenden „ihre“ Person der Gruppe vor und berichten kurz, was sie Neues über ihn/sie erfahren haben.

Hinweis:

Das Spiel Schneeballschlacht sorgt dafür, dass die Zettel wirklich gut durchgemischt werden.

Erfahrung:

Wenn man verhindern möchte, dass die Spielenden sich selbst ziehen, kann man Zettel in 2 Farben ausgeben. Daraus ergeben sich dann auch gleich die beiden Schneeballschlacht-Teams (z. B. Team rot und Team weiß). Nach der Schneeballschlacht muss Team rot dann weiße Zettel aufsammeln und Team weiß rote.

Die Spielleitung sollte bei der Schneeballschlacht zu Beginn möglichst nicht sagen, wie lange gespielt wird, damit keine Zettel strategisch zurückgehalten werden. Eine Ansage kurz vor Spielende, z. B. „Noch 10 Sekunden“ reicht aus.

Lebendige Statistik

Sortiert euch in die richtige Reihenfolge, ohne die Bänke zu verlassen.

Material: 2-3 Turnbänke

Sozialform: Alle gemeinsam

Alle Spieler:innen stellen sich ohne zu sprechen entlang ihres Geburtstags (Tag und Monat) auf einer Reihe Turnbänken auf: 1. Januar ganz links und 31. Dezember ganz rechts.

Regeln: Die Turnbänke dürfen beim aneinander vorbeigehen nicht verlassen werden.

Varianten: Andere Sortierung: z. B. nach Alter, Körpergröße, Anzahl der Geschwister, Hausnummer, etc.

Mit Wettkampfcharakter: Die Gruppe teilt sich in zwei Teams. Welches Team ist schneller richtig aufgestellt?

Namensalphabet

Merkt euch die Namen und stellt euch ohne weitere Absprache in der richtigen Reihenfolge auf.

Material: Nichts wird benötigt

Sozialform: Alle gemeinsam (Kreisaufstellung)

Alle Spieler:innen stellen sich im Kreis auf und nennen nacheinander den Namen. Anschließend soll sich die Gruppe, ohne zu sprechen, in alphabetischer Reihenfolge ordnen. Dabei steht die Person, deren Namen im Alphabet zuerst kommt, ganz links, alle anderen ordnen sich dahinter passend ein. Wenn alle glauben fertig zu sein, werden die Namen nacheinander ausgesprochen.

Wurde die Aufgabe erfolgreich gelöst: Versucht es doch auch mal mit den Nachnamen.

Wurde die Aufgabe nicht auf Anhieb geschafft: Nicht schlimm! Sortiert euch in aller Ruhe in die richtige Reihenfolge und merkt euch jetzt genau, wer rechts und links neben euch steht. Dann fällt es euch beim nächsten Mal bestimmt leichter.

Vielleicht schließt ihr auch eine der folgenden Varianten an. Damit lassen sich die Namen noch besser verinnerlichen:

Plauderlauf

Erzähle beim Laufen ein paar Dinge über dich, danach suchst du dir eine:n neue:n Partner:in.

Material:  Musik

Sozialform: Paarweise

Alle Spieler:innen laufen frei um Raum umher. Bei Musikstopp sucht sich jede Person ein:e Partner:in. Als Paar laufen sie weiter umher und stellen sich gegenseitig vor. Geht die Musik wieder an, trennen sie sich und das Spiel beginnt von vorne.

Erfahrung:

Dieses Spiel eignet sich gut als Nachfolger zu Spielen, in denen sich Paare zusammenfinden (in dieser Sammlung z. B.: „Pantomimische Begrüßung“). Haben sich beim ersten Spiel Paare gefunden, laufen sie nun ein paar Runden und erzählen sich etwas.

Tipp:

Die Spielleitung gibt konkrete Erzählaufträge. Z. B. „Unterhaltet euch über…

…euer Lieblingsessen.“

…eure Lieblingsfarbe.“

…eure Lieblingssportart(en) Sportart(en).“

…eure größte Freude.“

…schönste Geburtstagsfeier.“

…eure Lieblingsmusik.“

…Zeitreisen: wenn es möglich wäre, in eine andere Zeit zu reisen, was würdet ihr dann tun?“

Wie wir in unserem Unterrichtvorgehen, um die Namen der Kinder möglichst schnell zu lernen berichten wir im Artikel „Deine neue Klasse – Kennen lernen, Namen lernen“.

Kooperationsspiele für den Sportunterricht

Bevor du dich in die Kooperationsspiele stürzt, möchten wir im Sinne eines Beipackzettels eine kurze Botschaft loswerden:

Kooperation ist kein Selbstläufer. Sind die Übungen zu schwierig für die Gruppe kann und soll die Gruppe scheitern können. Vielleicht wird es dabei Zoff geben. Streit ist dann nicht das Ende des Spiels, sondern der Startpunkt, an dem die Gruppe besser werden kann. Mit erhobenem Zeigefinder laden wir euch mit folgenden Worten zu unserer Fortbildung zum Klassenteambuilding ein:

  • Trotz des spielerischen Charakters sollte immer von „Übungen“ und nicht von „Spielen“ gesprochen werden, um eine ernsthafte Beschäftigung mit den Inhalten zu ermöglichen.
  • Lösungen für Übungen werden NICHT vorgegeben. Notfalls wird über das Scheitern reflektiert ggfs. wird ein weiterer Versuch gewährt.
  • Die Übungen müssen ergebnisoffen sein. Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass man „sowieso“ nicht verlieren kann.

Und hier haben wir vier schöne Kooperationsspiele für euch mit denen ihr eure Klassen vielleicht vor eine erste Herausforderung stellen könnt.

Gemeinsam aufstehen

Balanciert euch als Team so gut aus, dass ihr ohne Hilfe der Hände gemeinsam aufstehen könnt.

Material: Nichts

Sozialform: Je Team 6-25 Spieler:innen

Alle Spielenr:innen setzen sich mit dem Rücken zueinander in Kreisform auf den Boden: Nun  haken sie sich mit den Armen bei ihren Nachbar:innen unter. Nach einem Startsignal versuchen alle gemeinsam aufzustehen.

Regeln: Die Hände dürfen nicht zur Hilfe genommen werden. Die Arme bleiben die ganze Zeit untergehakt.

Erfahrung:

Das Aufstehen gelingt, wenn die Teilnehmenden gleichmäßigen Druck zu ihren Partner:innen hinten aufbauen und spüren, wie weit die Nachbar:innen rechts und links bereits aufgestanden sind.

Reifenkreisel

Lasst einen Reifen im Kreis wandern, ohne dabei die Handfassung zu lösen.

Material: 1 Gymnastikreifen

Sozialform: Alle gemeinsam

Die Spieler:innen stellen sich in einem Kreis auf und halten sich an den Händen. Zwei Spieler:innen lösen kurz die Handfassung, stecken den Arm durch den Reifen und fassen sich wieder an. Nun versucht das ganze Team, den Reifen ohne Zuhilfenahme der Hände im Kreis wandern zu lassen.

Regeln: Die Hände dürfen sich während der ganzen Zeit nicht loslassen.

Varianten: Runden zählen: Wie viele „Umrundungen“ werden in 3 Minuten geschafft?

Zeit stoppen: Wie lange benötigt ihr für eine Umrundung?

Zweiten Reifen hinzunehmen: Schafft ihr es, dass der zweite Reifen den ersten einholt? Einen zweiten kleineren Reifen hinzunehmen und in die andere Richtung wandern lassen.

Quelle: Das Grundspiel ist zu finden bei Veit, Walther & Eickhorst (2020). 

Schwungtuch wenden 

Schafft ihr das Schwungtuch zu wenden, obwohl alle draufstehen?

Material: Schwungtuch (alternativ kann auch eine große Plastikplane verwendet werden)

Sozialform: Alle gemeinsam

Das Schwungtuch wird flach auf dem Boden ausgelegt. Die Spielenr:innen stehen mit beiden Füßen auf dem Schwungtuch. Ihre Aufgabe ist es, das Schwungtuch umzudrehen, ohne dass ein:e Spieler:in den Boden berührt. Bevor das Wendemanöver startet, haben sie 3 Minuten Zeit, sich zu beraten. Danach startet der erste Versuch.

Regeln: Berührt ein:e Spieler:in den Boden, wird von vorne begonnen.

Varianten: 

  • Zeitvorgabe: Schafft ihr es in 3 Minuten?
  • Blinde Passagiere: Einigen Spielenden werden die Augen verbunden.
  • Auf dem Schwungtuch liegen zusätzlich Gegenstände (Pylonen, Medizinbälle…), die beim Wendemanöver hochgehoben werden müssen.

Pipeline

Verlängert die Rinne bis zum Eimer, so dass ein Ball ohne Stopp hineinrollt.

Material: Je Team 4-5 Halbrohre (s. u.), 1 Tischtennisball, 1 Eimer

Sozialform: Je Team 5-12 Spieler:innen

Alle Teams stellen sich in einer Reihe auf. Die ersten Spielenr:innen halten je ein Halbrohr waagerecht in den Händen, so dass eine lange Rinne entsteht. Aufgabe ist es nun, einen Tischtennisball rollender Weise bis in einen Eimer zu transportieren. Damit dies gelingt, müssen die Rohre nach Benutzung zügig an die anderen Teammitglieder weitergegeben werden. Die Spieler vom Anfang reihen sich danach selbst wieder ans Ende der Schlange ein.

Regeln:

  • Der Ball muss sich die ganze Zeit über vorwärtsbewegen, darf also weder ruhen noch zurückrollen.
  • Der Ball darf nicht berührt oder festgehalten werden.
  • Der Ball muss alle Rohre durchrollt haben.
  • Fällt der Ball auf den Boden, startet das Team wieder ganz vorne.

Tipp:

Halbrohre gibt es im Modellbau. Alternativ können auch Regenrinnen aus Kunststoff (= zuschneiden auf 50cm Länge), halbierte Rollen von Tennis- bzw. Badmintonbällen oder halbierte Rollen von Küchenpapier genommen werden.

Es sollten deutlich weniger Rohre nehmen als Teilnehmer:innen genommen werden, damit das Rotationsprinzip dieses Spiels aufrechterhalten wird.

Die Anzahl der benötigten Halbrohre hängt ab von der Anzahl an Teilnehmenden sowie der Länge der Rohre (insgesamt ca. 2-3m Rohrlänge je Team).

Je nach Rohrtyp eignen sich auch andere Bälle. Z. B. bei einer Regenrinne aus Kunsstoff kann man auch einen kleinen Schaumstoffball nehmen.

Varianten: Die Teams starten zeitgleich und versuchen ihre Bälle zeitgleich im Eimer abzulegen. Ist nun ein Team schneller als die anderen, muss es versuchen, den Ball möglichst langsam zu rollen, damit die anderen Teams wieder aufholen können.

Lärm im Urwald

Lotst alle Spielenden sicher durch den Urwald.

Material:

  • Für Team 1: 1 Geräuschquelle je Spieler:in (Glöckchen, Rasseln etc.)
  • Für Team 2: 1 Augenbinde je Spieler:in

Sozialform: 2 Teams

  • Team 1 ist der Urwald. Jede:r Spieler:in ist ein Baum und erhält eine Geräuschquelle.  Nun verteilen sich die Spieler:innen frei auf dem Spielfeld. 
  • Team 2 steht mit verbundenen Augen an einer Startlinie. Die Spieler:innen von Team 2 versuchen nun durch den Wald hindurch auf die andere Seite des Spielfelds zu gelangen. Gerät ein:e Spieler:in zu dicht an einen Baum, macht dieser ein Geräusch, so dass er/sie ausweichen kann. Ist die Ziellinie überschritten, gibt die Spielleitung einen Hinweis, dass die Augenbinde abgenommen werden kann.

Erfahrung:

Die Spieler:innen von Team 2 starten am besten kurz nacheinander. Dann sind viele parallele Geräusche zu hören die es zu orten gilt, ohne dass es zu viel „Gedränge“ im Wald gibt.

Tipp:

Geräuschquellen lassen sich relativ einfach selbst herstellen, indem man leere Ü-Eier-Kapseln mit einigen Reiskörnern oder Linsen füllt.

Habt ihr keine Geräuschquelle zur Hand, nutzt einfach den eigenen Körper, z. B.:

– Schnipst mit den Fingern.

– Klatscht in die Hände.

– Schmatzt, schnalzt, pfeift, faucht, zischt, wispert mit dem Mund.

– Schnuppert mit der Nase.

– Trommelt auf den Bauch.

– Stampft mit den Füßen.

Im Beitrag „Kleine Spiele planen, spielen und auswerten“ hat die Autorin dieser Sammlung ihre Erfahrungen zusammengetragen. Es lohnt sich dort hineinzuschauen. In unserer Kartei „Zusammenwachsen“ gehen wir auf Prämissen des Klassenteambuildings ein und geben euch viele Ansätze Übungen nach Erfolg aber auch nach Misserfolg zu reflektieren.

Wibowo, J. (2016). Unterrichtsqualität im Sportunterricht. Version 1.1. Zugriff am 16.08.2022 unter wimasu.de/unterrichtsqualität

Die Autorin

Hilke Teubert (Dr.) ist Oberstudienrätin im Hochschuldienst an der Universität Paderborn. Sie unterrichtet angehende Sportlehrer:innen und außerschulische Sportwissenschaftler:innen im „Bewegen an Geräten“, „Kleinen Spielen“ sowie in verschiedenen sportpädagogisch-didaktischen Seminaren.

Impressum

Dieses Dokument korrekt zitieren:

Teubert, Hilke (2022). 8 schöne Kennenlern- und Kooperationsspiele für den Sportunterricht. Zugriff am 07.10.2022 unter https://wimasu.de/8-schoene-kennenlern-und-kooperationsspiele-fuer-den-sportunterricht/

Illustrationen/Grafiken: Nao Matsuyama, Julia Schäfer
Herausgeber: Christoph Walther & Janes Veit

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