Völkerball im Sportunterricht Wimasu

Die Völkerballdebatte!?

"Das Problem ist nicht das Spiel, sondern die Art und Weise"

Autoren: Ch. Walther & J. Veit 

Worum geht es überhaupt?

Eine bislang noch nicht publizierte kanadische Interview-Studie bringt hervor, dass befragte Schülerinnen und Schüler „Dodgeball“ hassen (Bogage, 2019). Aus den Thesen der zitierten Forscherin Joy Butler machen führende Medien auf Grund der Ähnlichkeit von Dodge- und Völkerball Schlagzeilen wie: „Ist Völkerball‚ legalisiertes Mobbing?" (FAZ, 2019) oder „Sollte Völkerball an Schulen verboten werden?“ (Spiegel, 2019). Kernaussage ist unter anderem, dass durch das gezielte Abwerfen bzw. „Abschießen“ von Spielgegnerinnen und -gegnern Stärke belohnt und Schwäche gezielt denunziert würde.

Im Rahmen einer kurzen Analyse wollen wir einen Beitrag zur bislang recht undifferenzierten und in Teilen populistischen Berichterstattung leisten.

Auf die Perspektive kommt es an: Sportunterricht ist nicht gleich Sportunterricht!

Ein Bericht über den Zustand der kanadischen Schulsportkräfteausbildung (Lu, Lodewyk, 2012) zeigt einen schnellen Blick auf die „Baustellen“ der kanadischen Schulsportdebatte: Neben vielen fachfremden Sportlehrkräften (bis zu 45 %) ist der Fokus vieler kanadischer Sportlehrerinnen und -lehrer auf deren (Neben-)Tätigkeit als „coaches“ der Schulteams gerichtet. Besonders problematisch daran ist die direkte Verzahnung von Leistungs- und Schulsport. Daraus resultiert ein Sportunterricht, in dem Leistung, Sichtung, Sieg und Niederlage eine zentrale Rolle zukommt (ebd, S. 19). Schon 2012 fordern Lu und Lodewyk daher einen „Shift away“ zu einer individuelleren, gesundheitlichen und lebenslangen Form des Sich-Bewegens – oder zugespitzt: Weg vom Dodgeball-Turniersieg, hin zum Fitnesstrend.

Deutsche Sportlehrkräfte haben im Sportunterricht seit etwa 20 Jahren einen Doppelauftrag zu erfüllen (vgl. Prohl, Krick, 2006, S.13 ff.). Man könnte quasi hoffen oder behaupten wir seien einen Schritt weiter, denn „unser“ Sportunterricht hat zwei Aufträge: Neben der Qualifizierung für den außerschulischen Sport steht da ein allgemeinbildender Auftrag, der im Sportunterricht zu erfüllen ist: Die Entwicklungsförderung und die Vermittlung sozialer Werte. Auch beim Völkerball! Zum pädagogischen Sportunterricht gehört es daher, Bewegung und Spiele nicht ausschließlich leistungsorientiert zu betreiben. Denn Bewegung wird in der Sportkultur aus vielen Perspektiven betrachtet und akzentuiert. Viele Sportarten werden nicht aus Gründen der Leistung (wer ist am besten?) betrieben, sondern aus gesundheitlichen (bspw. Functional Training, Jogging), gestalterischen (Tanz), kooperativen Beweggründen (Teilnahme an einer Marathonstaffel), Gründen besonderer Bewegungserfahrungen (Wakeboarden) oder Wagnisaspekten (Klettern). Man sieht bei dieser exemplarischen Aufzählung, dass Leistung nicht gerade der Fokus von aktuellen Trendsportarten ist. Und auch beim Völkerball darf die Leistung nicht (immer) im Fokus stehen.

Soziales Lernen im Sport

Spontan gefragte Lehrkräfte können bestätigen, dass soziale Lernziele in fast jeder Sportstunde einen Ehrenplatz haben. Ein Blick in die Fachliteratur zeigt aber auch sofort, dass Soziales Lernen im Sport nicht automatisch prosozial ist (vgl. Bähr, 2009). Wir alle kennen die in der Völkerballdebatte beschriebenen Situationen der „Mannschaftswahlen“ oder der absichtlichen Kopftreffer. Diese Situationen tun weh und zeigen, dass auch der Sportunterricht Gelegenheit zur Ausgrenzung gibt, auf die man als Sportlehrkraft reagieren muss.
Auf der anderen Seite gibt es im behutsam geplanten, vielfältigen Sportunterricht ausreichend Gelegenheit zur Kooperation und Verständigung. Und festzuhalten ist, dass ein fairer Wettkampf, z. B. beim Völkerball, immer nur als „Miteinander im Gegeneinander“ stattfinden kann (vgl. Prohl, 2011). Die Medaille hat zwei Seiten und dessen müssen sich die Organisatoren von Schulsport bewusst sein. Hier verweisen wir gerne auf unseren Artikel Fairness im Sport – Regeltreue, Sportsgeist und Gewinnstreben.

Der Inhalt: Dodgeball, 2-Felderball, Gefängnisball?

Zum Inhalt – dieses Abwurfspiel mit zwei Teams – zurückkommend sollte festgehalten werden, dass sich auch Völkerball sozial verträglich gestalten lässt. Es lässt sich „klug spielen“ (vgl. Jakob, 2014) und zur Regelentwicklung nutzen. So wollen wir darauf hinweisen, dass das nordamerikanische Dodgeball-Spiel in einer Wettkampfform mit harten Bällen und direktem Ausscheiden gespielt wird. Völkerball hingegen wird hierzulande meist mit Softbällen gespielt und aus pädagogischen Gründen wurden bereits schon zahlreiche spannende Varianten entwickelt, die verschiedene Rollen für die Spielenden innehaben. wimasu-völkerball-zweifelderballDa gibt es auf einmal Verliebte, Bienenköniginnen, Mattenwache, Torleute, manche spielen rückwärts, andere mit Freilaufen. Wer noch nicht alle Varianten kennt, wird hier fündig. 

Umbenennen?!

In Zeiten, in denen einzelne Gruppen bzw. Parteien den Begriff „Volk“ wieder in den Mittelpunkt von politischen Debatten bringen wollen, macht es aus unserer Sicht Sinn, das Spiel Völkerball umzubenennen. Ab jetzt wird bei uns Völkerball unter Zweifelderball gespielt. Denn die Idee von kämpfenden Völkern bringen wir nur ungern in die Turnhalle. Da hat sich die Debatte doch noch für uns gelohnt.
Also ab jetzt: 2-Felder-Ball, das „Ameisenspiel“, „Gefängnisball“, "Wimasuball", "4-Länder-Spiel",… auch "Dodgeball" soll ein tolles Spiel aus den USA sein. Wer kennt es überhaupt?

Mobbing = Spielen? Spielen = Mobbing?

Zuletzt möchten wir dafür plädieren, das Spielen nicht mit Mobben gleichzusetzen, sondern sich erst einmal Zeit zu nehmen, um die Spielintention zu studieren bzw. zu überprüfen. Denn selbst Joy Butler ist der Meinung, dass man Fairplay in Spielen entwickeln kann und veröffentlicht 2013 und 2016 Beiträge zur Fairnesserziehung durch Spielentwicklung (z. B. Butler, 2013). Es geht also auch anders!

Literatur

Bähr, I. (2009). Soziales Handeln und soziales Lernen im Sportunterricht. In H. Lange & S. Sinning (Hrsg.), Handbuch Sportdidaktik (S. 172–193). Balingen: Spitta-Verlag.

Bogage, J. (2019). Dodgeball is a tool of ‘oppression’ used to ‘dehumanize’ others, researchers argue. Zugriff am 30.06.2019 unter https://www.washingtonpost.com/sports/2019/06/07/dodgeball-is-tool-oppression-used-dehumanize-others-researchers-argue/

Butler, J. (2013( Stages für Children inventing games. Journal of Physical Edukation, Recreation & Dance (84:4). S. 48-53. Zugriff am 30.06.2019 unter http://blogs.ubc.ca/ubcpe/files/2014/09/16-Stages-for-inventing-games.pdf

Höfler, N. (2019). Ist Völkerball „legalisiertes Mobbing“? Zugriff am 30.06.2019 unter https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/voelkerball-als-legales-mobbing-verbot-im-sportunterricht-16257015.html

Jakob, M. (2014). Völkerball verstehen. Neue Lerngelegenheiten in einem bekannten Spiel erkennen und nutzen. sportpädagogik 38 (2) 6-11.

Laurenz, N.; Keßler, F. (2019) Sollte Völkerball an Schulen verboten werden? Zugriff am 30.06.2019 unter https://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/voelkerball-sollte-man-das-spiel-aus-der-schule-verbannen-a-1274627.html

Lu, Ch.; Lodewyk, K. (2012). The Pysical Education Profession in Canada. Journal of Physical Education & Health (1). S. 15-22. Zugriff am 30.06.2019 unter http://jpe-health.pwsz.raciborz.edu.pl/pliki/downloads/vol1/a2.pdf

Prohl, R. & Krick, F. (2006). Lehrplan und Lehrplanentwicklung - programmatische Grundlagen des Schulsports. In Deutscher Sportbund (Hrsg.), DSB-Sprint-Studie. Eine Untersuchung zur Situation des Schulspots in Deutschland (S. 19-52). Aachen: Meyer & Meyer.

Prohl, R. (2011). Vermittlungsformen im erziehenden Sportunterricht. In V. Scheid & R. Prohl (Hrsg.), Sportdidaktik. Grundlagen Vermittlungsformen Bewegungsfelder (S. 92–112). Wiebelsheim: Limpert Verlag.

Dieses DOKUMENT ZITIEREN

Walther, Ch. & Veit, J. (2019). Die Völkerballdebatte!?  Das Problem ist nicht das Spiel, sondern die Art und Weise. Zugriff am DATUM unter https://wimasu.de/voelkerballdebatte

Die Autoren

Die Autoren sind leidenschaftliche Sportlehrkräfte und Teil des WIMASU-Teams. 

 
 

Impressum

Lektorat: Leif Boe
Illustration: Nao Matsuyama
Herausgeber: Christoph Walther & Janes Veit
 
 
 

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Verwendung geschlechtersensibler Sprache

Wir bei WIMASU möchten eine geschlechtersensible und inklusive Sprache verwenden, die niemanden ausgrenzt, sondern alle wertschätzt. Zukünftig sollen alle Projekte nach diesem Leitbild verfasst und ältere Texte überarbeitet werden. Wenn ihr vor der nächsten Hausarbeit oder einem Stundenentwurf steht, holt euch hier noch ein paar Tipps & Tricks ab, wie geschlechtersensible Sprache unkompliziert anzuwenden ist.

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Wimasu Hallenplaner

Inhalt - Was steckt alles drin?

In der PowerPoint-Datei des Hallenplaners by wimasu sind 145 maßstabsgetreue Geräte und 28 liebevoll gezeichnete Figuren enthalten. Durch die Funktion "Horizontal spiegeln" ist es möglich, die Geräte und Figuren in je zwei Perspektiven zu überführen. Mit den Funktionen "In den Hintergrund" (bzw. "Eine Ebene nach hinten") und analog dazu "In den Vordergrund" (bzw. "Eine Ebene nach vorne") lassen sich die Geräte und Figuren in der Tiefe sortieren. Zudem stehen verschiedene Spielfelder als Hintergrund bereit. Mit "Neu einfärben" in PowerPoint erhaltet ihr wahlweise Ausdrucke in Farbe oder in Graustufen. Eine Übersicht der Geräte erhaltet ihr im Vorschaubild.

Geschichte - Wie es dazu kam

Seit über 5 Jahren beschäftigt uns die Idee, das Erstellen von Stationskarten, Aufbauplänen etc. mit einem Hallenplaner zu vereinfachen. Zu viele Referendare, Referendarinnen und Lehrkräfte verbringen ihre Zeit mit dem Zeichnen von Hallenplänen. Dabei könnte die Zeit viel besser für das inhaltliche Planen genutzt werden. Deshalb haben wir den Hallenplaner zusammengestellt. Bei einem Umzug eines Freundes trafen wir auf Nao, der mitten in seinem Architekturstudium steckte und nun für uns Zeichnungen aller Art vollbringt.

Unser erstes Projekt war damals, alle Geräte in einem 3D-Programm zu zeichnen. Seitdem haben wir immer wieder überlegt, wie wir die Zeichnungen allen anbieten können, ohne dass es kompliziert wird. Ideen für Apps oder eine Website haben wir zusammen mit verschiedenen Entwicklern verworfen. Einfach sollte es sein! Nachdem wir 2017 den Pyramidendesigner und 2018 den Fußballtrainingsplaner in PowerPoint mit PNG-Dateien erfolgreich umgesetzt haben, entschieden wir uns dafür, auch den Hallenplaner in diesem Format auszuprobieren und anzubieten. Wir wünschen viel Spaß und sind gespannt auf viele kreative, sichere, abwechslungsreiche Aufbauten.

Hier gehts zum Produkt: https://wimasu.de/shop/hallenplaner/

Teamchallenge 2015 – Korbjagd beendet

Die erste gefängnisball.de Teamchallenge wurde Ende Juni beendet. Insgesamt wurden 4560 Körbe im Auftrag der Korbjagd geworfen. 2194 Schülerinnen und Schüler in 107 Klassen nahmen teil. Großteils kamen die Teilnehmenden Klassen aus dem Rhein-Main Gebiet, allerdings freuten wir uns über die Teilnahme von Klassen der Bugenhagenschule Hamburg, des Stiftischen Gymnasiums in Düren und des Gymnasium Biel-Seeland in der Schweiz.Weiterlesen